Fehler finden, Freud lesen, Geschichte neu denken
Eröffnung der dritten Freud-Vitrine an der IPU
Zum Start des Wintersemesters 2025/2026 wurde in der Bibliothek der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin die dritte Ausstellung in den Freud-Vitrinen eröffnet. Sie ist das Ergebnis eines Seminars, das die Initiative Freud Museum Berlin gemeinsam mit Studierenden der IPU zur Geschichte der Psychoanalyse gestaltet hat – und sie zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und kritisch die Arbeit mit historischem Material heute sein kann.
Ausgangspunkt des Seminars waren Recherchen zur Korrespondenz zwischen Sigmund Freud und Arnold Zweig. Neben Interviews mit Zeitzeug:innen, einem Stadtrundgang zur Psychoanalyse in Berlin und der Arbeit mit archivalischen Quellen führte der Weg die Studierenden in das Archiv der Akademie der Künste, das den größten Bestand an Freud-Briefen in Berlin beherbergt. Die Begegnung mit Originaldokumenten – das Entziffern der Handschrift, das Einordnen in den politischen und biografischen Kontext – entfaltete eine besondere Faszination.
Im Zentrum der neuen Ausstellung stehen sechs bislang unveröffentlichte Schriftstücke Freuds sowie ein bislang unveröffentlichter Brief von Arnold Zweig, als Faksimiles präsentiert. Ernst L. Freud, Freuds Sohn, hatte den Briefwechsel 1969 herausgegeben, dabei jedoch einige Passagen, Karten und Briefe ausgelassen. Gerade diese Lücken wurden für das Seminar produktiv: Was wird gezeigt, was bleibt unsichtbar – und warum? Aus dieser Frage entstand das kuratorische Konzept der neuen Freud-Vitrine.
Die Vernissage fand unmittelbar vor der Eröffnungsvorlesung zum Semesterbeginn statt. Maren Horn vom Archiv der Akademie der Künste stellte den Bestand zu Zweig und Psychoanalyse vor und betonte die Freude über die Kooperation mit der IPU. Zugleich knüpft die Freud-Vitrine an die aktuelle Ausstellung Out of the Box der Akademie der Künste am Pariser Platz an.