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Psychoanalyse und soziale Ungleichheiten

Gesellschaftliche Machtverhältnisse auf der Couch – Vortragsreihe zum Sammelband


Gemeinsame Veranstaltungsreihe der Freien Universität Berlin und der IPU Berlin:

Der Sammelband Psychoanalyse und soziale Ungleichheiten – Gesellschaftliche Machtverhältnisse auf der Couch geht den unbewussten Wirkungsweisen gesellschaftlicher Machtverhältnisse nach und plädiert dafür, diese auch in der klinischen Praxis zu adressieren und zu analysieren.

In den Beiträgen werden unter anderem die Bedeutung von Normierungsprozessen in Gesellschaft und Psychoanalyse, die Auseinandersetzung mit Rassismus, Kolonialismus, Antisemitismus, Sexismus, Ableismus sowie Queer- und Transfeindlichkeit in psychoanalytischer Theorie, Praxis und Ausbildung beleuchtet. Zudem werden die Auswirkungen von Rassifizierungsprozessen und Klassenunterschieden in psychotherapeutischen Kontexten diskutiert. Die Autor:innen verbindet die Überzeugung, dass die Psychoanalyse – trotz eigener Ausblendungen und Reproduktionen von Machtverhältnissen – ein kritisches, emanzipatorisches und widerständiges Potenzial in Bezug auf gegenwärtige gesellschaftliche und individuelle Entwicklungen besitzt.
 

Kurzbiografien


Lalitha Chamakalayil, Diplom-Psychologin, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Kinder- und Jugendhilfe an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz, Muttenz. In ihrer Lehre und Forschung beschäftigt sie sich mit Verhältnissen sozialer Ungleichheit, Familien und Ein- und Ausgrenzung, Biographieforschung und Psychoanalyse in der Migrationsgesellschaft und arbeitet zu diesen Themen auch im Weiterbildungskontext.

Esther Hutfless ist Philosoph:in, Psychoanalytiker:in und Psychotherapiewissenschaflter:in. Hutfless ist Professor:in für queer-feministische Psychotherapiewissenschaft und Psychoanalyse an der Sigmund Freud PrivatUniversität in Linz, Lehrende:r an der Universität Wien und der Wiener Psychoanalytischen Akademie. Forschungsfelder: Psychoanalytische Theorie und Praxis, feministische und queere Ansätze in der Psychotherapie und Psychotherapiewissenschaft, Poststrukturalismus, Posthumanismus, Dekonstruktion, Geschlecht und Sexualität, Trauma,gesellschaftliche Machtverhältnisse und das Unbewusste, psychoanalytische Gesellschaftstheorien. Nähere Infos unter: www.hutfless.at

Barbara Zach, Juristin, selbstständige Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin in Wien, Mitglied im Wiener Arbeitskreis für Psychoanalyse und der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Lehrende an der Wiener Psychoanalytischen Akademie. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Individuation und Autonomieentwicklung, Angst, Übertragungs- und Gegenübertragungsgeschehen im Behandlungsprozess, Sexualität und Geschlecht, Psychoanalyse und queer feministische Theorie.

Nicole Burgermeister, Dr. phil., arbeitet als Psychoanalytikerin, Psychotherapeutin und Soziologin in Zürich, tätig als Dozentin an verschiedenen Hochschulen und Weiterbildungsinstituten. Arbeitsschwerpunkte: Psychoanalytische Arbeit mit Gruppen und in Institutionen, Gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen und Psychoanalyse, Gender und Queer Studies, Tiefenhermeneutik.
 

 

Die Queer IPU ist eine von Studierenden geleitete Initiative an der International Psychoanalytic University (IPU) in Berlin, die sich für die Anerkennung von Queer-, Trans- und Inter-Leben in der psychoanalytischen Theorie und Praxis einsetzt.
 

Informationen


Die Teilnahme ist kostenlos und alle sind willkommen!

Die Veranstaltungen werden in deutscher Lautsprache stattfinden. Für die Veranstaltungen wird zudem synchrone Schriftdolmetschung angeboten.

Wo? Freie Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Hörsaal 1a (Der Hörsaal ist barrierefrei zugänglich.)

Bei Fragen melden Sie sich gerne bei christian.woll@fu-berlin.de.

Die gemeinsame Vortragsreihe der Queer IPU und der FU Berlin wird im Wintersemester 2026/27 an der IPU Berlin fortgesetzt. Nähere Informationen werden folgen.

Termine an der FU Berlin:

Weitere Termine an der FU Berlin

Florida 2022: »Don`t say gay!«

Zwischen Verführungsangst und Sprechverbot

Das Gesetz über die Rechte der Eltern im Bildungswesen, allgemein bekannt, als das Don’t Say Gay-Gesetz des Bundesstaates Florida, 2022 verabschiedet, untersagt das Sprechen über sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, wie auch die Verwendung von Pronomen, die der eigenen Geschlechtsidentität entsprechen, wenn diese vom zugewiesenen Geschlecht abweicht. Das Gesetz wurde schrittweise auf das Verbot von Büchern mit sexuellem Inhalt und den Gesundheits-Lehrplan sowie den Unterricht ausgeweitet.

Im Erstgespräch erscheint A in meiner Praxis und berichtet während des Gesprächs, er sei »ein Mann, der mit anderen Männern Sex habe«. Das Wort schwul oder homosexuell wird zu einer tabuisierten Identitäts-Benennung.

»Darf ich Sie fragen, warum Sie das Wort homosexuell vermeiden?« Diese Frage stellt Freud 1935 einer besorgten Mutter, deren Sohn homosexuell ist.

Drei Beispiele, die auf unterschiedliche Kontexte verweisen, in denen queeren Begriffen die magische Macht einer ansteckenden Verführung zugeschrieben wird, die über ein Sprechverbot eingedämmt werden sollen. Dem Wort Gay/Schwul/Homosexuell wird eine virale Macht zugeschrieben: einmal ausgesprochen infiziert es das ohnmächtige Objekt. Diese Angst ist nicht neu: 1892 erhält Oscar Wilde einen Brief seines Geliebten, indem er deren Liebe als eine »Liebe, die nicht wagt, ihren Namen zu nennen« bezeichnet. Der unbewussten Dynamik des Sprechverbots liegt eine Verführungsangst zugrunde, die sich sowohl gesellschaftlich als auch auf der Couch zeigt. Wie kann die sexuelle Verführungsangst psychoanalytisch verstanden werden? Was bedeutet es, wenn ein queerer Begriff mit einem gesellschaftlichen Sprechverbot belegt wird?

Bernd Heimerl, Krankenpfleger, Studium der Psychologie und Theaterwissenschaften in Freiburg und Berlin, Psychoanalytiker (DGPT/DPG/IPA) sowie Gruppenanalytiker (D3G, SGAZ). Er ist Lehranalytiker für Einzel und Gruppe, Dozent und Supervisor in Berlin, Freiburg und Magdeburg. Er veröffentlichte zur Interdisziplinarität in der Psychoanalyse, zu Geschlechterkonstruktionen und der Darstellungspraxis in der Psychoanalyse. Herausgeber des Sammelbandes Unerhörte Stimmen- psychoanalytische Erkundungen zu gesellschaftlichen Phänomenen (2021) und Mitherausgeber von Jenseits der Binarität? Der Genderdis­kurs als Herausforderung in der Psychoanalyse (2024). Mitglied des Herausgeberbeirats des Jahrbuchs Internationale Psychoanalyse.

Psychoanalyse und Disability Studies

Der Abend führt in zentrale Konzepte der Disability Studies ein und verknüpft diese mit psychodynamischen Theorien: Was kennzeichnet Ableismus (im Vergleich zu anderen Diskriminierungsformen)? Wie lässt sich das dominante Bild von Behinderung kulturtheoretisch erschließen und psychodynamisch verstehen? 

Der zweite Teil widmet sich praktischen Fragen: Gibt es bei der Behandlung behinderter Menschen etwas ‚besonderes’ zu berücksichtigen? Oder ist diese Frage bereits Ausdruck einer illegitimen Verbesonderung? Wie lässt sich psychotherapeutische Praxis inklusiv gestalten?

Mai-Anh Boger ist Professorin für Allgemeine Sonderpädagogik an der Universität Koblenz. Sie widmet sich in Forschung und Lehre Fragen der Inklusion, der (internalisierten) Unterdrückung sowie der Psychoanalyse in der Pädagogik. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt ist „Trauma und Behinderung in Zeiten von Krieg und Frieden“. Sie ist Mitbegründerin und Herausgeberin der Zeitschrift für Disability Studies.

Nähere Informationen stehen unter folgenden Links bereit:
 
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Freie Universität Berlin


Die QueerIPU und die Vortragsreihe werden vom StuRa der IPU finanziell unterstützt.