Bilder, Bewältigung & Erinnerungskulturen
Interdisziplinäre Veranstaltungsreihe
Unter dem Titel »Bilder, Bewältigung und Erinnerungskulturen« laden die IPU Berlin und AMCHA Deutschland e. V. – nach »Transgenartionalem Trauma begegnen« (2024) – auch in diesem Jahr zu einer gemeinsamen Vortragsreihe ein. Beleuchtet werden die Wechselwirkungen von transgenerationalen Traumata, Erinnerungskultur und psychosozialer Verantwortung im Kontext kollektiver Gewalt. Am 16. Dezember ist um 19 Uhr die Soziologin Prof. Dr. Lena Inowlocki zu Gast mit einem Vortrag zu »Erinnerung und psychosoziale Verantwortung«.
Vortrag von Prof. Dr. Lena Inowlocki
Erinnerung und psychosoziale Verantwortung. Der Vortrag stellt unterschiedliche Ansätze aus Forschung und Praxis vor, die sich auf „Erinnerung“ an Gewalterfahrungen und Verfolgung beziehen, und diskutiert ihre Relevanz für „psychosoziale Verantwortung“ in der Gegenwart. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung von Kollektiva, also kollektiven Identitäten, für Erinnerung einerseits und psychosoziale Verantwortung andererseits. Erörtert wird, inwiefern kollektive Identitäten Bedingungen eines möglichen Dialogs zwischen diametral unterschiedlicher Erinnerung der Beteiligten sind – und inwiefern sie diesem entgegenstehen. Abschließend wird gefragt, was es bedeutet, die Identifikation mit kollektiven Identitäten zu „suspendieren“.
Lena Inowlocki ist Soziologin, außerplanmäßige Professorin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt und Professorin i. R. am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, Frankfurt University of Applied Sciences. Schwerpunkte ihrer qualitativ-interpretativen Forschung sind Migrationsprozesse, die biographische Bedeutung von Geschichte und Erinnerung, Tradition und Tradierung zwischen Generationen nach der Shoah, Rhetorik und Mitgliedschaftsprozesse der extremen Rechten.
Die IPU Berlin organisiert diese Reihe zusammen mit Amcha Deutschland e. V. Seit mehr als 35 Jahren unterstützt Amcha Deutschland e. V. die psychosozialen Angebote der Schwesterorganisation Amcha in Israel für Überlebende der Shoah und deren Nachkommen. Im Jahr 2025 adressiert Amcha Deutschland zentrale Herausforderungen in der psychosozialen Versorgung, der internationalen Vernetzung und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den transgenerationalen Folgen kollektiver Gewalt. Angesichts der deutlichen Zunahme von Antisemitismus und Antiziganismus sollen die generationenübergreifenden Folgen von Gewalt sichtbarer gemacht und in der öffentlichen Debatte stärker verankert werden. Das Verständnis für die Bedeutung transgenerationaler Traumata soll vor dem Hintergrund des 80. Jahrestages des Kriegsendes in Europa und der rasant abnehmenden Zahl von Augenzeug:innen der geschichtlichen Ereignisse vertieft und die gesellschaftliche Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit dem Thema gestärkt werden.