Wenn der Körper zu Stein wird
Konzepttheoretische Untersuchungen über die Verkörperungen der Psyche und den Bedeutungsverlust des Leibes
Der Verein der Freunde & Förderer der IPU Berlin lädt zu einem Vortrag am 21. November um 20 Uhr ein. Diesmal wird Henri Armke, Master-Student der IPU Berlin, zu dem Thema seiner Abschlussarbeit referieren.
Die im deutschen Sprachraum prominenten Arbeiten Matthias Hirschs heben die Bedeutung des Körpers als Objekt selbstzerstörerischen Agierens hervor. Eine konzeptuelle Engführung mit französischen und britischen Autoren, die Formen der Selbstdestruktivität behandeln, lässt ein unvermutetes Phänomen zum Vorschein kommen: Die flagrante Abwesenheit des Körpers. André Green zum Beispiel behandelt in seinem zentralen Text über “die tote Mutter” vor allem die psychische Entleerung (Desobjektalisierung). Ob in Abraham und Töröks Konzept der “Krypta” oder in Steiners “Orte des seelischen Rückzugs”, stets werden symbolisch-sprachliche und psychische Prozesse betont. Die leibliche Dimension bleibt dabei zumeist nur ein Schatten psychischer Phantasmen.
Der Vortrag wird dieses Fehlen des Körpers in den verschiedenen Theoriesträngen nachzeichnen und diskutieren, inwiefern sich darin auch Vorläufer einer entkörperlichten Auffassung von Psyche in zeitgenössischen Debatten über Geschlecht und Gender verdeutlichen. Abschließend wird diskutiert, inwiefern die metapsychologische Metaphorik von Stein, Grab und Tod auf die Materialität psychischer Prozesse verweist und darin Spuren eines naturgeschichtlichen Verhältnisses von Körper und innerer Architektur erkennbar werden.